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"Newtopia" - fragwürdiges TV-Experiment

25. Februar 2015
"Newtopia" - fragwürdiges TV-Experiment

Für kaum eine neue Fernsehsendung wurde in letzter Zeit so viel Werbeaufwand betrieben wie für die Reality-Serie „Newtopia“ auf Sat.1. Der Sender selber beschreibt das aus den Niederlanden importierte Format als das „größte TV-Experiment aller Zeiten“. Denn in „Newtopia“ bewohnen 15 „Pioniere“ für ein Jahr ein unbewohntes Areal und versuchen sich dort eine eigene Gesellschaft aufzubauen. Ihr Starkapital: 5.000 Euro, ein Handy mit 25 Euro Guthaben, zwei Kühe, Hühner und eine alte Scheune. Um ihre Grundbedürfnisse zu stillen, die Strom- und Wasserversorgung zu erschließen und selbständig wirtschaften zu können, müssen die unterschiedlichen Charaktere zusammen anpacken und miteinander auskommen. Beobachtet werden sie dabei rund um die Uhr von unzähligen Kameras.

Durch den immensen Medienrummel und das Versprechen eines großen „Abenteuers“ für die Pioniere werden auch junge Zuschauer neugierig gemacht. Doch beim „TV-Experiment“ handelt es sich schlichtweg um eine Variation der Reality-Show „Big Brother“. Und wie beim „großen Bruder“ geht es auch hier nicht um Erkenntnisgewinn, sondern um die Zurschaustellung des Verhaltens der Kandidaten in einer Ausnahmesituation. Das Ziel: den Voyeurismus des Publikums bedienen und so die Einschaltquote in die Höhe treiben. Einseitige Zusammenschnitte, die sich auf die Konflikte und die schrulligen Eigenheiten der Kandidaten fokussieren, sowie hämische Kommentare aus dem Off vermitteln Kindern dabei verzerrte Vorstellungen vom menschlichen Miteinander. Zudem ist es besonders für jüngere Kinder nicht durchschaubar, dass es sich hier um inszenierte Pseudo-Realität handelt.

Eltern sollten daher überlegen, ob „Newtopia“ das richtige TV-Programm für ihren Nachwuchs ist. Wenn Kinder aus Neugierde einen Blick riskieren wollen, sollten Eltern bei Bedarf mit ihnen über die Sendung sprechen und die jungen Zuschauer über die Machart aufklären – zum Beispiel, dass die Pioniere nach bestimmten Kriterien „gecastet“ wurden, dass das Areal extra für die Sendung präpariert wurde und die einstündige Sendung lediglich ein subjektiver Zusammenschnitt der Ereignisse ist. Denn die Grenzen zwischen Realität und Inszenierung können Kindern hier verschwimmen. Auch deshalb läuft „Newtopia“ im FLIMMO unter „Mit Ecken und Kanten“. FLIMMO wird das tägliche Treiben in „Newtopia“ jedoch weiterverfolgen und – je nach Entwicklung des Geschehens – seine Einschätzung unter Umständen anpassen.

 

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