Besprechung Die kleine Amélie entdeckt die Welt auf ihre ganz eigene Weise. Während sie von der Haushälterin Nishio-san viel über Natur, japanische Traditionen und Legenden lernt, verwandelt ihre Fantasie Alltägliches in kleine Wunder. Doch als Amélie drei Jahre alt wird, erlebt sie erstmals Abschiede und Veränderungen.
Eine Geschichte konsequent aus der Sicht eines Kleinkindes zu erzählen, ist ungewöhnlich – genau das macht Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens besonders. Der Animationsfilm zeigt die Welt so, wie Amélie sie erlebt: voller Wunder, Rätsel und großer Gefühle. Wer wegen der einfachen, kindlichen Optik einen typischen Film für Vorschulkinder erwartet, könnte allerdings überrascht sein. Die ruhige Erzählweise und Amélies philosophische, manchmal skurrile Gedankenwelt dürften vor allem ältere Kinder ansprechen. So hält sie sich zeitweise für Gott, glaubt, Blumen zum Blühen bringen zu können oder sieht in ihrem Bruder einen Staubsauger. Ihre Fantasie macht Alltägliches magisch. Besonders wichtig für Amélie sind ihre Großmutter und die Haushälterin Nishio-san. Sie nehmen ihre Fragen ernst und begegnen ihr mit Geduld und Verständnis. Durch Nishio-san lernt sie zudem viel über japanische Traditionen, Legenden und die Natur. Auch Themen wie Abschied und Trauer haben ihren Platz, werden aber ruhig und einfühlsam erzählt. Leuchtende Bilder, ruhige Musik und Amélies Erzählstimme ziehen Zuschauer*innen in ihre Gedankenwelt hinein. So eröffnet der Animationsfilm ungewohnte Einblicke in die Wahrnehmung eines Kindes, regt zum Nachdenken an und bietet Raum für Gespräche über Gefühle und Veränderungen.